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2020 | Forschung

Zwischen Bibi Blocksberg und Alexa.

Medienbiographische Erfahrungen von Eltern und ihr Einfluss auf die Medienerziehung

Ziel des Familien-Medien-Monitorings ist es, die Aneignungsweisen digitaler und mobiler Medien und des Internets von Kindern in den ersten Lebensjahren im Gesamtkontext des sie umgebenden Medienensembles zu erfassen und zu verstehen. Dafür wurden im Rahmen einer Langzeitstudie Familien mit jungen Kindern befragt. Von Anfang an deutete sich an, dass die medienbiographischen Erinnerungen der Eltern einen Einfluss auf ihre Einstellungen und Haltungen zur Bedeutung von Medien im Alltag ihrer Kinder haben und sich auch in ihrer Medienerziehung niederschlagen. Um diesen Zusammenhang besser zu verstehen, wurde der Schwerpunkt in der vierten Erhebungswelle auf die biographischen Erinnerungen der Eltern an Medien und Medienerziehung in ihrer Kindheit gelegt. 

Es zeigte sich, dass alle Eltern Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend haben, die mit Medien verknüpft sind. Besonders gut erinnern sie sich an soziale Situationen mit der Familie oder der Peergroup, in denen Mediennutzung eine zentrale Rolle spielte: gemeinsame Fernsehnutzung mit der ganzen Familie, Mutproben in Form der Rezeption eines Horrorfilms im Kreis der Freund*innen, die (heimliche) Nutzung nicht altersentsprechender Filme mit älteren Geschwistern oder Cousins bzw. Cousinen, gemeinsames Spielen aller Nachbarskinder an der einzigen Konsole im Dorf … Insbesondere diejenigen Eltern, die vor allem auf positive Erfahrungen zurückblicken, in denen sie Medien in genussvoller oder auch kreativer Weise in Gebrauch genommen hatten und die sich darüber hinaus an wenig Regeln erinnern, sind offen für die medienbezogenen Bedürfnisse ihrer Kinder. Sie gestehen diesen heute entsprechende eigene Erfahrungen zu und versuchen zum Teil Settings zu schaffen, die dies ermöglichen. Eltern, deren Mediennutzung in der Kindheit in ihrer Erinnerung stark reguliert war, sind auch als Eltern eher darauf bedacht, Regeln für die Mediennutzung ihrer Kinder aufzustellen, mit denen sie das Ziel verfolgen, die Rolle der Medien im Alltag möglichst gering zu halten. Sie stellen ihren Kindern nur ausgewählte Medienangebote zur Verfügung, die sie aus ihrer eigenen Kindheit kennen und schätzen oder zumindest als bedenkenlos einschätzen. 

Bezogen auf die medienerzieherischen Aktivitäten wurde deutlich, dass diese heute insgesamt ausgeprägter sind als in der Kindheit der Eltern. In der Erinnerung der Eltern gab es früher weniger Regeln. Dabei handelte es sich vor allem um zeitliche Regeln, die entweder am Tagesablauf der Familie oder am Fernsehprogramm orientiert waren. Aus diesem ging eindeutig hervor, in welchem Zeitraum für Kinder geeignetes Fernsehangebot ausgestrahlt wurde, dessen Rezeption den Kindern erlaubt war. Implizit war damit auch geregelt, welche Inhalte sie nutzen durften. Durch das nicht-lineare Fernsehen über verschiedene Endgeräte ist diese Struktur heute aufgelöst. Dazu kommt eine unüberschaubare Vielfalt an Angeboten im Internet, die jederzeit verfügbar sind und dank der starken Verbreitung mobiler Geräte ortsunabhängig genutzt werden können. Diese Entwicklungen erfordern differenziertere Regelungen und schließen beispielsweise auch die Kommunikation über Angebote und Nutzungsweisen ein, die es in den Kindheitserinnerungen der Eltern nur selten gab.

Insgesamt konnte bestätigt werden, dass die medienbiographischen Erinnerungen der Eltern sich in ihren Einstellungen und Haltungen zur Bedeutung von Medien im Kindesalter sowie in ihrer Medienerziehung wiederfinden. In vielen Fällen orientieren sie sich dabei am Vorbild ihrer Eltern. Die individuellen Bedürfnisse der Kinder spielen dabei zum Teil nur eine geringe Rolle. Aus medienpädagogischer Perspektive lässt sich daraus die Notwendigkeit einer Sensibilisierung der Eltern für die Wünsche und Bedürfnisse ihrer Kinder im Zusammenhang mit Medien ableiten, um diese so bei der Entwicklung eines selbstbestimmten kompetenten Medienumgangs zu unterstützen. 

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