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2009

Web 2.0 als Rahmen für Selbstdarstellung und Vernetzung Jugendlicher

Erste Teilstudie der 5. Konvergenzstudie "Das Internet als Rezeptions- und Präsentationsplattform Jugendlicher"

 

Ergebnisse des 1. Teils der Studie "Das Internet als Rezeptions- und Präsentationsfläche"

Weit mehr als SchülerVZ – jede Menge jugendrelevanter Plattformen
Das Mitmach-Internet ist groß und unübersichtlich. Die Studie strukturiert das Feld jugendnaher Internetplattformen und systematisiert die dort zu findenden Artikulationsformen der Jugendlichen: Dafür wurden insgesamt 97 Plattformen und daraus 26 Selbstdarstellungen von 14- bis 20-Jährigen analysiert.
Eigenproduktionen der Heranwachsenden stehen z.B. bei flickr.com deutlich im Zentrum. Eigenständigkeit und Kreativität konturieren sich hier über den eigenen Stil der Fotografien, über die Wahl von Motiven oder auch über die kreative Bearbeitung der Fotos. Aber auch bei youtube.com, myspace.com und bloggospace.de finden sich Selbstdarstellungen, bei denen Selbstgemachtes eine große Rolle spielt. Die Verarbeitung von Musik und Bildern ist hierbei von zentraler Bedeutung und erweitert das Artikulationsspektrum der Jugendlichen.

Auf alle Fälle multimedial – Massenmedien als Fundus der Selbstdarstellungen
In ihren Selbstdarstellungen drücken die Jugendlichen vielfältige Themen und Interessen aus und sie wenden sich an unterschiedliche Publika:
· "Mit vielen bekannt sein" ist zu einer Art neuem Wert avanciert. Die Jugendlichen stellen sich im Kreis ihrer Freunde und Freundinnen dar, sie wenden sich an ihre Peergroup und sind auf der Suche nach neuen Kontakten.
· Jugendkulturelle Themen wie Musik sind weitere wichtige Inhalte, über die sich die Heranwachsenden darstellen und über die sie mit anderen ins Gespräch kommen. Sie verorten sich in spezifischen Szenen, bekennen sich als Fans oder stellen ihre eigenen Talente etwa als Musikschaffende ins Zentrum.
· In ihren Artikulationen setzen die Heranwachsende persönliche Akzente, z.B. indem sie über den Musikplayer auf myspace.com den eigenen Musikgeschmack demonstrieren. Mit Fotos oder Videos machen sie deutlich, wofür sie sich interessieren und was ihnen wichtig ist. Das Artikulationsspektrum ist deutlich geprägt durch die Verwendung von Bildern, Tönen und Symbolen.
· Die Weiterverarbeitung von massenmedialen und anderen fremdproduzierten Inhalten zu eigenen "Werken", zu sogenannten Mash-Ups oder Collagen, ist eine sehr prominente Variante, um sich selbst, eigene Sichtweisen oder Positionen öffentlich zu machen. Massenmediale Angebote wie Fernsehsendungen, Videos, Musiktitel oder Versatzstücke daraus fungieren dabei als Mittel der Selbststilisierung.

Zwischen subjektiven Freiheiten und unklaren Regeln
Die Jugendliche stehen mit ihrem Handeln im ‚Mitmach-Internet’ in neuen Spannungsfeldern:
· Ihrem Wunsch nach sozialer Einbettung können sie im Internet nur nachkommen, wenn sie auch Informationen von sich preisgeben. Damit laufen sie Gefahr, identifizierbar zu werden und setzen sich diversen Risiken aus.
· Wie viel sie von sich preisgeben, haben sie nicht allein in der Hand: Auch andere stricken mit ihren Beiträgen, z.B. Kommentaren, Referenzseiten etc. an den individuellen Selbstdarstellungen mit und verbreiten sie weiter.
· In ihrer individuellen Artikulation stoßen die Jugendlichen an Vorgaben und Grenzen, die einerseits von den Plattformen gesetzt werden, andererseits von rechtlichen Gegebenheiten: Für ihren persönlichen Ausdruck über Bilder, Fotos, Musik etc. finden die Jugendlichen ein großes und verlockendes Materialangebot vor, das sie als Patchwork neu zusammensetzen, verändern und weiterverbreiten. Die Regeln, wie sie sich aus diesem Angebot bedienen dürfen, sind ihnen teils nicht transparent, teils ignorieren sie diese bewusst, weil "es ja alle so machen".
Damit Heranwachsende sich über die Konsequenzen ihres Tuns klar werden können, ist die Pädagogik gefordert. Die Studie hat durch ein integriertes Praxismodell, die Web 2.0-Werkstätten, hierfür erste Wege gezeigt, die fortgeführt werden können.
Fragen sind aber auch an die Anbieter und die Politik zu stellen: Erstere sind zu fragen, wie sie zur Transparenz ihrer verlockenden Offerten beizutragen gedenken, die AGBs reichen dazu jedenfalls sicher nicht hin. An die Politik ist die Frage zu stellen, inwiefern rechtliche Vorgaben etwa im Bereich des Urheberrechts der heutigen Medienwelt angepasst sind und vor allem wie sie einer Jugendpopulation vermittelt werden können, die die angebotenen medialen Artikulationsmöglichkeiten in allen Facetten auszuschöpfen trachtet.

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