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2017

Jahresbericht 2017

Berichte über die Projekte aus Forschung und Praxis, sowie Informationen über die Publikationen des JFF aus dem Jahr 2016

Mein Vorgänger, Prof. Dr. Bernd Schorb, überschrieb sein Vorwort zum Jahresbericht 2016 mit „Das Jahr 2016 stand im JFF im Zeichen von Umbrüchen“. Für das JFF als gemeinnützigen Verein folgte auch im Jahr 2017 ein weiterer Umbruch: Nach über 20 Jahren kandidierte Bernd Schorb im April 2017 nicht mehr für den Vorsitz und ich durfte ihm nachfolgen. Ich freue mich sehr über diese Herausforderung, denn ich schätze das JFF mit seiner fundierten pädagogischen, ideenreichen und engagierten Arbeit seit vielen Jahren. Die gesellschaftlichen Diskussionen, Entwicklungen und Förderprogramme zur Digitalisierung haben dazu geführt, dass die Kompetenzen, die Erkenntnisse und die Angebote des JFF mehr denn je gefragt sind. Digitalisierung als Megathema führt an vielen Stellen in der Gesellschaft zu Verunsicherung. Das JFF bietet durch sei- nen satzungsgemäßen Auftrag, in wissenschaftlichen Arbeiten und praktischen Tätigkeiten immer den Menschen, insbesondere die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen, in den Mittelpunkt zu stellen, klare Leitlinien und Orientierung an. Im Jahr 2017 konnte das JFF diese Perspektive in besonderem Maß in gesellschaftspolitische Diskussionen und Konzeptentwicklungen einbringen.

Hervorzuheben sind die Projekte, die für den kritischen Geist stehen, der am JFF traditionell herrscht. So widmet sich das Forschungsprojekt Flucht als Krise: Mediale Krisendarstellung, Medienumgang und Bewältigung durch Heranwachsende am Beispiel Flucht (MeKriF) der Frage, wie Jugendliche mit medialen Informationen zum Themenfeld Flucht, Migration und Integration umgehen. Dieses Projekt ist vom Bundesforschungsministerium finanziert. Dem JFF ist es in den Jahren 2016 und 2017 in beispielhafter Form gelungen, innovative Forschungsanträge zu entwerfen, die gerade in der aktuellen gesellschaftlichen Situation, in der sowohl die Medien selbst als auch die Bildung mit Medien im Wandel begriffen sind, fruchtbar sind und dankenswerterweise auch gefördert wurden.

Dafür steht ein weiteres, vom selben Ministerium gefördertes Projekt: Partizipative Medienbildung für Menschen mit geistiger Behinderung (PADIGI). Im Zentrum des Projekts PADIGI steht die Entwicklung eines Blended-Learning-Moduls für den Einsatz in der Fort- und Weiterbildung pädagogisch-pflegerischer Fachkräfte. Die inhaltlichen Schwerpunkte des Projekts liegen auf einer Sensibilisierung von Fachkräften für die Bedeutung digitaler Medien zur gesellschaftlichen Teilhabe von Menschen mit geistiger Behinderung. Die Fachkräfte werden dahin gehend geschult, den Umgang von Menschen mit geistiger Behinderung mit digitalen Medien im Alltag kompetent zu begleiten und zu unterstützen. PADIGI wird in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Computervermittelte Kommunikation und der Professur für Informatik mit Schwerpunkt Medieninformatik der Universität Passau durchgeführt. Praxispartner ist die Akademie Schönbrunn des Franziskuswerks Schönbrunn, eine der größten Einrichtungen für Menschen mit Behinderung in Bayern. Damit steht PADIGI nicht nur für einen innovativen Ansatz in der Aus- und Weiterbildung, sondern auch für das Bestreben des JFF, stets in guten Kooperationen Wissen zu teilen, weiterzuentwickeln und in- terdisziplinär zu arbeiten. Dies gilt sowohl für die wissenschaftliche Arbeit des JFF als auch für die pädagogisch-praktischen Projekte. Exemplarisch möchte ich hier das Projekt Aktiv gegen Vorurteile nennen. Im Rahmen des Wertebündnisses Bayern und nanziert vom Bayerischen Sozialministerium, der Stiftung Wertebündnis sowie dem Bayerischen Bündnis für Toleranz wurde die Idee für Clips von Jugendlichen zum Thema Vorurteile vom JFF gemeinsam mit vielen Partnern entwickelt und umgesetzt. Gemeinsam mit unterschiedlichen Verbänden und Vereinen aus ganz Bayern wurden mit Jugendlichen Audio- und Videoclips produziert und für die freie Verbreitung im Netz auf der Projektwebsite veröffentlicht. Dazu entstand eine Handreichung, die Hilfestellungen zur Umsetzung eigener Projekte gibt. Dies entspricht dem Transfergedanken, auf dem alle JFF-Projekte aufbauen. Die Ergebnisse der Arbeit des JFF werden für die weitere Verwendung offen angeboten. So ist es nur konsequent, dass der Umgang mit Open Educational Resources ein zentrales Jahresthe- ma am JFF war. Ich freue mich sehr darüber und hoffe, dass alle Bildungsbereiche auf die wertvollen Impulse des JFF zurückgreifen.

Den Übergang in dieser Zeit zu gestalten heißt für mich, gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen im Vorstand, der Leitung und dem Team des JFF ein kritisch-konstruktiver Diskussionspartner zu sein. Eine wichtige Frage ist, durch welche strategischen Schwerpunkte das JFF seine Rolle als Impulsgeber und Mitgestalter wissenschaftlich fundierter medienpädagogischer Innovation in Zeiten der Digitalisierung erhalten und ausbauen kann. Eine weitere wichtige Frage ist, wie mittelfristige oder dauerhafte Aufgaben des JFF in Forschung und Praxis auch entsprechend nachhaltig finanziert und gesichert werden können. Ich hoffe sehr, dass es gelingen wird, das JFF nicht nur als fachlichen Partner zu würdigen, sondern finanziell so auszustatten, dass die großen Herausforderungen bewältigt werden können.

Ein Jahresbericht ist auch eine gute Gelegenheit, sich zu bedanken. In erster Linie, aber auch stellvertretend, möchte ich dem Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration danken, das es uns ermöglicht, aktuelle Entwicklungen, beispielsweise im Bereich der frühen Bildung, wissenschaftlich zu fundieren und pädagogisch zu begleiten. Dies zeigte sich unter anderem in unserer Fachtagung, den interdisziplinären Diskursen über das Heranwachsen in mediatisierten Lebenswelten, die sich in diesem Jahr dem Kinderspiel in digitalen Lebenswelten widmeten. Gemeinsam mit Expertinnen und Experten unterschiedlicher Disziplinen wurde die Bedeutung des (digitalen) Spiels beleuchtet sowie aktuelle Herausforderungen formuliert.

Das Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am JFF ist in diesen Zeiten stark gestiegener Nachfrage nach der Expertise in Forschung und Praxis groß. Es ist mir ein besonderes Anliegen, dem JFF-Team und der Leitung für ihre Leistungen zu danken. Eine wichtige Aufgabe der Leitung und des Vorstands für die kommenden Jahre wird es sein, das JFF strategisch so auszurichten und zu positionieren, dass es seine wichtigen und nun in der Breite stark nachgefragten Beiträge auch mittel- und langfristig leisten kann. Und natürlich möchte ich mich bei allen Institutionen bedanken, die dem JFF das Vertrauen schenken, seine Aktivitäten unterstützen und mit ihm zusammenarbeiten.

Herzlich

Prof. Dr. Frank Fischer
Vorsitzender des JFF – Jugend Film Fernsehen e.V. 

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