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2006

Jahresbericht 2006

Berichte über die Projekte aus Forschung und Praxis, sowie Informationen über die Publikationen des JFF aus dem Jahr 2006

2006 war ein Jahr der Bewilligungen. Dem JFF wurde eine Reihe an Forschungs- und Praxisprojekten übertragen, die noch 2006 oder Anfang 2007 starteten. Damit konnte nicht nur der Stamm an Personal gesichert werden, sondern es waren auch Neueinstellungen möglich.

Inhaltlich ermöglichen die neuen Projekte, sich bestimmten Zielgruppen intensiver zuzuwenden, die sich auf einer allgemeinen Ebene mit dem Sammelbegriff "benachteiligt" kennzeichnen liessen.
Eine erste Gruppe sind Kinder und Jugendliche, die in bildungsbenachteiligten Milieus heranwachsen. Diese Gruppe greift, wie zahlreiche Untersuchungen belegen, einerseits sehr intensiv auf Medien und ihre Angebote zu, wobei Risikoreiches erhebliche Relevanz hat. Andererseits ist sie aufgrund mangelnder Vorbilder und Anregungen im familiären und sozialen Umfeld kaum in der Lage, einen souveränen Umgang mit dem vielfältigen Medienangebot zu entwickeln und die positiven Potenziale insbesondere der neuen Medien für sich nutzbar zu machen. In einem über zwei Jahre laufenden Forschungsprojekt mit dem Titel "Bildungsbenachteiligung und multifunktionale Medien" geht das JFF nun der Frage nach, welche Potenziale der Medien PC, Internet, Handy, Spielkonsole geeignet sind, um Jugendliche aus bildungsbenachteiligten Milieus in der Entwicklung von Medienkompetenz zu fördern und wie angemessene und zielführende (medien-)pädagogische Maßnahmen beschaffen sein können.
In einem direkt angrenzenden Feld ist eine Expertise zu verorten, die der Frage nachgeht, welche Integrationspotenziale neue Medien für Jugendliche mit Migrationshintergrund bereithalten. Da sich Migrantengruppen in Deutschland zu beachtlichen Teilen in bildungsbenachteiligten Milieus bündeln, hat die Frage nach dem Medienumgang von Jugendlichen aus diesen Gruppen deutliche Berührungspunkte zur Frage nach der Bedeutung des Bildungsniveaus. Für den Mediengebrauch dieser Heranwachsenden kommen spezifische Einflüsse hinzu, die mit dem Migrationshintergrund oder mit jeweils in der Herkunftskultur verankerten Besonderheiten zusammenhängen. Zentrale Aspekte und Schlussfolgerungen der Expertise wurden noch Ende 2006 in die Arbeitsgruppe "Medien und Integration" des Integrationsgipfels der Bundesregierung eingespeist. Die wissenschaftliche Direktorin des JFF, Prof. Dr. Helga Theunert wurde in diese Arbeitsgruppe als Expertin berufen.
Schließlich wurde 2006 ein Modellprojekt zum Abschluss gebracht, das sich mit einer Gruppe befasste, die von einer anderen Form der Benachteiligung betroffen ist, mit Kindern und Jugendlichen mit geistiger oder körperlicher Behinderung. In dem Projekt "ausdrucksstark" wurden für und mit dieser Gruppe Konzepte aktiven Arbeitens mit Medien entwickelt, in integrativen bzw. speziell fördernden Einrichtungen in Bayern erprobt und wissenschaftlich begleitet. Die Anfang des Jahres erschienene Publikation dokumentiert anschaulich die pädagogischen Möglichkeiten, die das aktive Arbeiten mit Medien für diese Gruppe eröffnet.

Neben neuen Zielgruppen erweiterten sich 2006 auch die Handlungsfelder des JFF. Insbesondere die Entwicklung auf dem Gebiet der mobilen Kommunikation, allen voran des Handy provoziert neuartige Medienaktivitäten der Heranwachsenden ebenso wie neue Problemstellungen. Gewalthaltige und pornografische Bilder und Videos auf den Handys von Schülern, die Nutzung der Fotofunktionen des Handys, um inszenierte oder reale Gewaltakte aufzuzeichnen (happy slapping), markieren die negativen und in der Öffentlichkeit zu Recht mit Sorge betrachteten Auswüchse, die ein multifunktionales Endgerät, zu dem das Handy immer mehr wird, nach sich ziehen kann. Gleichzeitig aber ist das Handy das derzeitige Jugendmedium Nummer eins und seine multifunktionalen Möglichkeiten eröffnen ebenso Nutzungsformen, von denen Heranwachsende profitieren können. Das JFF hat diesen Themenkomplex 2006 intensiv und in beiden skizzierten Richtungen thematisiert. Abgesehen von einer Fülle von Anfragen für Referate, Workshops, Artikel und Interviews wurden die stark nachgefragten Schulklassenprojekte fortgeführt, in denen Problembereiche des Handy (Stichwort: Kostenfalle), thematisiert werden, zugleich aber der kreative Gebrauch (Stichwort: Handy-Clip) erprobt wird. Auch der bundesweite Handyclip-Wettbewerb fand erneut statt und mündete Ende des Jahres in einer großen und sehr lebendigen Preisverleihung in München. Die kontinuierliche Befassung mit dem Medium Handy erlaubte auch die schnelle Reaktion des JFF, als im Sommer zuerst an einer Hauptschule im Allgäu Handys von Schülern mit pornografischen und gewalthaltigen Videos konfisziert wurden. Innerhalb weniger Tage organisierten die Abteilungen Praxis und Forschung in München eine Tagung, in die wissenschaftliche Befunde, praktische Erfahrungen und pädagogische Handlungsvorschläge eingespeist wurden, eine Stellungnahme aus medienpädagogischer Sicht sowie grundlegende Informationsmaterialien gingen online und fanden große Aufmerksamkeit. Gebündelt sind diese Aktivitäten in der Publikation "Handy – Eine Herausforderung für die Pädagogik".

Neben diesen neuen Akzentsetzungen ist 2006 aber auch die Kontinuität in der Arbeit des JFF nicht zu kurz gekommen: Die Förderprogramme und Festivals, die Medienkompetenzförderung über aktive Medienarbeit fortführen und weiterentwickeln, die regionalen Aktivitäten des Medienzentrums München und der Medienstelle Augsburg und der Fachberaterinnen und Fachberater in den Regierungsbezirken oder die kontinuierliche Publikation des FLIMMO im Internet und als Broschüre. Vor allem im Hinblick auf die Zielgruppe Kinder wurden die Aktivitäten erweitert und fanden einen beeindruckenden Niederschlag in der interdisziplinären Tagung "Medienkinder von Geburt an", zu der fast 200 Besucherinnen und Besucher nach München kamen. 2007 werden insbesondere im Praxisbereich neue Projekte für diese Zielgruppe in Angriff genommen, zum Beispiel das Projekt "Erzählkultur", das in Kindergarten, Hort, Grundschule und außerschulischen Einrichtungen Modelle erproben wird, wie über den Einsatz von Medien Anlässe geschaffen werden können, die die Lust auf Sprechen und Sprache wecken.

Wer den vorliegenden Jahresbericht studiert, kann unschwer erkennen, dass sich die Arbeit des JFF immer mehr erweitert und ausdifferenziert. Das liegt einerseits an der Entwicklung der Medienlandschaft. Sie trägt dafür Sorge, dass sich die Gegenstände der Medienpädagogik ebenso wie die Medienangebote vermehren. Das liegt andererseits am JFF selbst. Es ist ein Prinzip des Instituts, den Medienalltag der heranwachsenden Generation vorausschauend und umfassend im Blick zu haben und aufzugreifen, was für Kinder und Jugendliche dort Gewicht hat und erlangt. Bereits im Vorwort des letzten Jahresberichtes wurde auf Veränderungen hingewiesen. Der interne Prozess wurde 2006 fortgesetzt. Das Ergebnis ist an der Institutsstruktur abzulesen. Im Kern bedeutet es, dass durch eine Untergliederung der Abteilungen Forschung und Praxis die vielfältigen Arbeiten und Kompetenzanforderungen auf mehrere Schultern verteilt wurden. Diese Struktur muss nun ihre Tragfähigkeit erweisen, insbesondere ob sie flexibel genug ist, um die weitere Entwicklung medienpädagogischer Handlungsfelder zu integrieren.

Direktorium und MitarbeiterInnen des JFF haben 2006 ein extrem arbeitsreiches, aber auch ein sehr erfolgreiches Jahr hinter sich gebracht. In beidem schlagen sich Engagement, Originalität und Durchhaltevermögen nieder, die das JFF auszeichnen. Dafür möchte ich allen danken, denen, die die Qualität des JFF durch ihre Arbeit gewährleisten und denen, die dafür die Mittel bereit stellen.

Prof. Dr. Bernd Schorb, 1. Vorsitzender


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