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2003

Jahresbericht 2003

Berichte über die Projekte aus Forschung und Praxis, sowie Informationen über die Publikationen des JFF aus dem Jahr 2003

Medien sind Mittler. Sie vermitteln uns das, was in der umgebenen Welt passiert: das, was wir auch selbst sehen könnten, aber auch das, was wir ohne die Medien nicht wissen und erfahren würden. Hierzu gehören auch die grausamen Geschehnisse in der Welt, insbesondere die Kriege. Das Jahr 2003 war durch eine kriegerische Auseinandersetzung geprägt: den weltweit umstrittenen Irakkrieg. Durch Untersuchungen belegt und von Eltern und professionell Erziehenden erfahrbar ist bei solchen Geschehnissen immer wieder, dass Heranwachsende Probleme haben, die Tatsache und die Bilder von der Vernichtung und Verletzung von Menschen zu fassen und zu verarbeiten.Das JFF hat auch auf den Irakkrieg schnell reagiert: Über den FLIMMO, die Programmberatung für Eltern, wurden unmittelbar medienpädagogische Hilfestellungen zur Bewältigung dieser Situation im (Fernseh)Alltag gegeben. In Modellprojekten in Kinderhorten und in der Beratung von Kindergärten, Schulen und Horten und in Tagungen für pädagogische Fachkräfte hat sich das JFF ebenso wie seine Einrichtungen, das Medienzentrum München und die Medienstelle Augsburg, ebenfalls dieser Problematik angenommen.

Die digitalen Medien sind inzwischen in das Medienensemble und in die Arbeit des JFF integriert. In Geltung bleibt auch in Bezug auf sie eines der Prinzipien des JFF: Sich nicht nur um die von den Medien in die Welt gesetzten Probleme zu kümmern, sondern zugleich vorausschauend die Medienentwicklung zu erfassen und die Heranwachsenden auf die sich ständig ändernde Medienwelt vorzubereiten und ihnen die Mittel an die Hand zu geben, diese zu beherrschen. Unter dieser Maßgabe gewinnen die Verknüpfungen von Einzelmedien, also Medienkonvergenz, in der Arbeit des JFF zunehmend Gewicht. Ein Beispiel aus dem Forschungsbereich ist die Studie "Umgang Heranwachsender mit Konvergenz im Medienensemble". In einem ersten Untersuchungsabschnitt wurden 2003 die Nutzungsstrukturen von Kindern und Jugendlichen in Bezug auf das Medienensemble und auf konvergente Angebote erhoben. Das Hauptinteresse richtet sich auf die Fragen, ob und wie Heranwachsende mit den sich zunehmend verzahnenden Angeboten des Medienmarktes umgehen und welche Bedeutung diese Angebote für ihre Sozialisation haben. Auf der Ebene des Transfers von Forschungsergebnissen in die pädagogische Praxis integriert das vom JFF in Kooperation mit der Aktion Jugendschutz, Landesarbeitsstelle Bayern, erstellte Materialpaket "Aufwachsen in Actionwelten" das Feld Medienkonvergenz und regt zu pädagogischem Handeln an. Das Materialpaket differenziert für Erziehende den komplexen Medienmarkt, insbesondere den Computerspielesektor, und greift die Verknüpfungen der Medien unter dem Aspekt der Mehrfachvermarktung actionhaltiger Medienangebote auf. In der aktiven Medienarbeit mit Kindern und Jugendlichen bieten Projekte wie "D-A-S-H" und "In eigener Regie" Heranwachsenden Räume und innovative Anstöße, um diese Verknüpfungen von Einzelmedien produktiv und selbstbestimmt zu nutzen.

Ein weiterer Schritt, die Veränderung der Medienlandschaft mit zu vollziehen, war die Neufassung der eigenen Publikationen, sowohl der gedruckten als auch der virtuellen. Im Jahre 2003 wurde die Zeitschrift merz – medien + erziehung, die das JFF bereits im fünften Jahrzehnt herausgibt, einer Überarbeitung unterzogen. merz, nunmehr die einzige unabhängige und nicht interessengebundene medienpädagogische Zeitschrift in Deutschland, hat neben einem neuen Layout auch neue Rubriken. Sie räumen den digitalen Medienangeboten mehr Platz ein und erweitern die Bandbreite und Vielfalt der Themen. Vor allem aber wurde ein Wunsch aus der wissenschaftlich orientierten Medienpädagogik aufgegriffen und realisiert. Das im Herbst 2003 erstmals erschienene merz-Wissenschaftsheft soll der medienpädagogischen Forschung und der Theorieentwicklung eine Plattform bieten. Es wird sich künftig einmal im Jahr einem ausgeschriebenen wissenschaftlichen Themenbereich widmen. Die veröffentlichten Beiträge unterliegen der Begutachtung eines Fachkomitees, für das sich namhafte Vertreterinnen und Vertreter der Medienpädagogik zur Verfügung gestellt haben. Mit der Druckausgabe von merz wurde zugleich auch der Onlineauftritt verändert, um den Leserinnen und Lesern Nachschlagemöglichkeiten zu geben und auf wichtige Artikel und Inhalte von merz hinzuweisen. Der Veränderungsprozess von merz ist sicherlich nicht abgeschlossen. Eine medienpädagogische Zeitschrift muss kontinuierlich auf Entwicklungen der Medienlandschaft und auf Veränderungsprozesse in der Wahrnehmung und Nutzung von Medien reagieren, um den Leserinnen und Lesern Orientierung und einen Diskussionsrahmen anzubieten.

Neugestaltet wurde 2003 auch der Internetauftritt des JFF. Wer etwas über eine Institution wissen will, wer Themen recherchiert oder auf der Suche nach neuen Anregungen ist, der geht heute zuerst mal ins Netz. Der Funktion des Internet, Institutionen zu repräsentieren und Einblick in deren Arbeit zu geben, wurde durch eine Neugestaltung des JFF-Internetauftrittes Rechnung getragen. Er bietet komfortable Suchmöglichkeiten und Information zu den Arbeitsfeldern des JFF in unterschiedlicher Tiefe. Die Konzeption des Internetauftrittes und die Realisierung fanden im Jahre 2003 statt, seit Anfang 2004 ist der neue Internetauftritt für alle sichtbar.

Erfreulich war 2003, dass die Medienstelle Augsburg (MSA) des JFF in das von der Stadt Augsburg neu gegründete Bildungszentrum umziehen konnte. Neben der Möglichkeit, hier mit der Volkshochschule und dem schulischen Medienzentrum zu kooperieren und diese Effekte für die pädagogische Arbeit nutzbar zu machen, hat die Medienstelle auch neue Räume und mehr Platz bekommen, um ihr vielfältiges Angebot besser darbieten und realisieren zu können. Gelungen ist auch ein weiterer Schritt in die Professionalisierung der Fachberatung, in Niederbayern gibt es nun dafür eine feste Stelle.

Aber es gibt sicher im sozialen Bereich derzeit keinen Jahresbericht, in dem nicht finanzielle Kürzungen beklagt werden müssen. Die gefährliche politische Tendenz, auf soziale Errungenschaften, aber auch auf die Vorsorge für die jungen Menschen zu verzichten und die faktische Finanznot von Bund, Ländern und Kommunen trifft die Medienpädagogik und hat auch das Institut getroffen. Wenn Entscheidungen für Einsparungen fallen, geht man zuerst an die so genannten freiwilligen Aufgaben und Medienpädagogik wird immer noch als eine solche freiwillige Aufgabe gesehen. Die Stadt München, die bislang gerade im präventiven Bereich ein Vorbild war, hat nun ebenfalls diesen Weg beschritten: das Medienzentrum München des JFF wurde empfindlich gekürzt. Wie immer, wenn man Einrichtungen und Projekte kürzt, werden die Folgen nicht sofort in ihrer ganzen Gewalt sichtbar. Denn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter versuchen pädagogisch zu denken und zu handeln und bemühen sich zunächst, die Streichungen nicht an ihren Adressaten auszulassen, sondern durch Mehrarbeit und Mehrengagement selbst aufzufangen. Die Höhe der verhängten Kürzungen jedoch machen es unmöglich, die Probleme nicht an die Nutzerinnen und Nutzer des MZM weiterzugeben. So musste bereits eine zeitliche Einschränkung des Verleihs vorgenommen werden, 2004 steht die Einstellung von konkreten pädagogischen Maßnahmen bevor und für 2005 zeichnen sich weitere Einschränkungen auch im personalen Bereich ab. Leiden wird vor allen Dingen die aktive Medienarbeit von und mit Jugendlichen. Die Reduzierung oder der Wegfall dieser Maßnahmen, die nicht allein dem Umgang mit den Medien dienen, sondern gleichzeitig Effekte der Persönlichkeitsstärkung und Unterstützung gerade im kreativen, aber auch im reflexiven Bereich für benachteiligte Jugendliche bedeuten können, werden Folgen haben, die den humanen Grundstrukturen unserer Gesellschaft sicher nicht förderlich sein werden. Die Vertiefung der Kluft zwischen denen, die die Medien nutzbringend und selbstbestimmt für sich verwerten können und denen, die sich in problematischen Vorgaben der Medien verlieren, ist nur eine dieser Folgen.

Auch die Forschung hat es in diesem Jahr getroffen. Die innovative Konvergenzstudie war auf insgesamt drei Jahre konzipiert und hatte mit der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien, dem Zweiten Deutsches Fernsehen und dem Bayerischen Rundfunk auch eine neuartige Allianz von Finanziers begründet, die mit Verantwortung an die Medienentwicklung herangehen. Von den konzipierten drei Jahren ist bislang nur eine erste Phase von einem Jahr realisiert. BR und ZDF sind im Herbst Hals über Kopf mit Verweis auf die Gebührendiskussion ausgestiegen. Die Untersuchung ruht nun. Die Hoffnung auf eine Weiterführung besteht, BLM und JFF bemühen sich gemeinsam um neue Partner, aber je länger die Kolleginnen und Kollegen, die mit diesem Projekt befasst sind, ohne Arbeit sind, desto geringer werden die Möglichkeiten, sie wieder neu zu engagieren.

Auch in den Bereichen, in denen es noch keine konkreten Kürzungen gegeben hat, ist die Situation unsicher. Mit Eingang eines jeden offiziellen Schreibens beginnt das Zittern um den Haushalt, denn die derzeitige Kürzungswelle scheint noch lange nicht zu Ende zu sein. Es ist kein Trost, dass das JFF nicht alleine steht, sondern viele betroffen sind. Im Gegenteil: Eine medienpädagogische Einrichtung, die wie das JFF seit der Gründung der BRD die Entwicklung der Medien und die gesellschaftliche Haltung dazu beobachten konnte, weiß auch, was es bedeutet, wenn die Öffentlichkeit darauf verzichtet, sich darum zu kümmern, wie die heranwachsende Generation mit den Offerten des Medienmarktes zurecht kommt, und wenn Standortvorteile und Wachstum der Medienbranche höher gewertet werden als die Fürsorge für Kinder und Jugendliche. Die Medien werden sich weiter entwickeln und die Perspektive ist dabei nicht darauf gerichtet, ob Kinder und Jugendliche mit dieser Weiterentwicklung umgehen können. Dort, wo die Politik und der Staat Leerstellen schaffen und die Förderung von Medienkompetenz beschneiden, werden die Medien an Einfluss gewinnen.

Das JFF wird seine Arbeit fortsetzten. Auch wenn es momentan nicht gerade en Vogue ist, werden wir weiterhin und nachdrücklich darauf hinweisen, dass die Öffentlichkeit und vor allen Dingen die staatlichen Stellen, aber auch die Medienbranche selbst die Verpflichtung haben, sich um den Umgang der Menschen mit den Medien zu kümmern. Die Mitglieder einer Mediengesellschaft haben einen Anspruch darauf, medienkompetent in dem Sinne zu sein und zu werden, dass sie die Medien beherrschen und nicht umgekehrt die Medien über sie herrschen. Das gilt für jedes Altersstadium, insbesondere aber für das des Heranwachsens. Das JFF macht seit über einem halben Jahrhundert erfolgreich Medienpädagogik und seine äußerst engagierten und hoch qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewährleisten, dass wir dies auch in schwierigen Zeiten weiter tun werden.
Allen Förderern des JFF sei an dieser Stelle herzlich gedankt.

Prof. Dr. Bernd Schorb,

1. Vorsitzender


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