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| Praxis

Nachbericht Jahresauftakttagung Digitalisierung im Sprint

Am 03.03.2021 lud das JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Jugendring und der Aktion Jugendschutz (Landesarbeitsstelle Bayern e. V.) zur jährlichen medienpädagogischen Auftakttagung ein. Die Veranstaltung fand zum sechsten Mal statt – und zum ersten Mal online als Livestream, bei dem die Vorträge der Referierenden live aus dem Institut für Jugendarbeit in Gauting gestreamt wurden und an dem sich die Zuschauer*innen per Chat beteiligen konnten. Die Pandemie führte nicht nur zu diesem neuen Veranstaltungsformat, sondern sie war auch eines der Schwerpunktthemen. Denn: Die Corona-Krise hat dem digitalen Wandel in der Bildungsarbeit einen enormen Schub verliehen. Kontaktbeschränkungen, Homeschooling und der Wegfall von außerschulischen Bildungsorten haben binnen weniger Wochen zu einer inhaltlichen, technischen und methodischen Erweiterung der online-basierten Angebotspalette geführt. Diese Entwicklung ist zu begrüßen – birgt gleichzeitig auch Herausforderungen. Hier setzte die Tagung, die vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales (StMAS) gefördert wurde, an. Nach einführenden Worten von Martin Holzner, dem Leiter des Instituts für Jugendarbeit in Gauting, begrüßte Staatsministerin Carolina Trautner die Teilnehmenden per Videobotschaft und griff dabei die Herausforderungen der Digitalisierung auf: „Die Digitalisierung hat im vergangenen Jahr viele ungeahnte Möglichkeiten gebracht. Ich bin beeindruckt, wie schnell viele Einrichtungen kreative Angebote für Kinder und Jugendliche konzipiert und umgesetzt haben. Sie haben die Verbindung unter den Menschen gehalten – trotz räumlicher Distanz. Gerade für Familien war und ist diese Zeit sehr schwer. Aber junge und erwachsene Menschen haben gemeinsam die Herausforderungen, die die Digitalisierung mit sich bringt, angenommen.“   

Nach der Begrüßung übernahm Joachim Leitenmeier, der als Sozialarbeiter, freier Medienpädagoge und Blogger arbeitet, die Moderation und führte durch die Veranstaltung. Zu Beginn erwartete die Tagungsteilnehmer*innen ein Vortrag zum Thema „Digital jetzt ganz normal? Digitalisierung der Jugendarbeit während Corona“. In diesem Input ging Marcus Fink vom Kreisjugendring München-Land auf die Entwicklung während der Pandemie aus medienpädagogischer Sicht ein. Er beschrieb dabei Aspekte der nahen Vergangenheit, die sich auf die aktualisierte digitale Weiterentwicklung in der Jugendarbeit ausgewirkt haben. Zu Beginn seines Vortrages stellte er aktuelle Herausforderungen vor, beispielsweise wie Beziehungsarbeit ohne direkten persönlichen Kontakt geleistet werden könne. Was brauche es in einer digitalisierten Welt? „Neugier, Anpassungsfähigkeit und Flexibilität mit neuen Technologien. Das Ziel ist nach wie vor, dass Kinder- und Jugendliche auch in einer digitalisierten Gesellschaft selbstbestimmt sind. Und mit dieser neuen Lebenswelt müssen sich alle Pädagogen befassen“, so Fink. Er forderte, dass Beziehungsabbrüche unbedingt vermieden werden müssten und junge Menschen trotz geschlossener Einrichtungen begleitet und unterstützt werden sollten. Dabei berichtete er von praktischen Beispielen aus dem KJR München-Land, wie dem Einsatz von Discord oder einem Corona-Tagebuch auf Instagram. Außerdem wagte er einen Blick in die Zukunft und legte dar, welche Themen in der digitalen Jugendarbeit derzeit aufkommen bzw. wiederkehren werden.   

Anschließend folgte ein Gespräch unter den Veranstalter*innen Elisabeth Seifert (aj), Matthias Fack (BJR) und Kathrin Demmler (JFF). Auf die Frage, welche digitalen Highlights auch nach der Pandemie erhalten bleiben sollen, betonte Kathrin Demmler, dass sie trotz der Distanz mit manchen Menschen enger zusammengewachsen sei. Dass der Ort nicht mehr so eine große Rolle spiele, sei auch in der Arbeit mit Jugendlichen positiv. Mit Blick auf die Zukunft wünschte Demmler: „Wir müssen uns auch in Zukunft noch stärker mit digitalen Tools auseinandersetzen. Dazu gehört auch, dass wir uns noch mehr mit dem Thema Datenschutz beschäftigen. Der Datenschutz ist wichtig, aber er darf es uns nicht verwehren, handlungsfähig zu bleiben. Und ich würde mir wünschen, dass wir die Kinder- und Jugendlichen ins Zentrum der Gesellschaft stellen, denn es muss viel an sozialem Zusammenhalt nachgeholt werden.“ Besonders spannend empfand Elisabeth Seifert von der Aktion Jugendschutz die vielen technischen Möglichkeiten und das hybride Arbeiten, da durch kurze Absprachen viel schneller miteinander gearbeitet werden könne: „Es gibt inzwischen eine große Vielfalt an Begegnungsmöglichkeiten und Projekten und gerade das Thema der Digitalisierung bietet viele Möglichkeiten der Partizipation.“ Matthias Fack vom BJR begrüßte, dass durch die Pandemie endlich begriffen wurde, dass junge Menschen nicht nur „digital“ wollen, sondern ihnen vor allem der persönliche Kontakt wichtig sei. „Jugendarbeit ist immer das Brennglas für das, was in der Gesellschaft passiert. Ich bin beeindruckt, wie schnell die Jugendarbeit kreativ in den digitalen Raum gegangen ist. Dabei sind wunderbare Sachen entstanden, die nicht nur digital oder analog waren, sondern eben auch hybrid“, meinte Fack.  

Homeschooling aus Sicht von Kindern und Jugendlichen sowie Lern- und Lebenssituationen während Corona brachte Prof. Dr. Ivo Züchner von der Universität Marburg den Teilnehmer*innen näher. In seinem Beitrag beschrieb er anhand verschiedener empirischer Quellen die unterschiedlichen Lebenssituationen von Kindern und Jugendlichen in der aktuellen Pandemie. Ein besonderes Augenmerk legte Prof. Züchner auf Transformationsprozesse im Kontext von Schule, Freizeit und sozialen Beziehungen. Er skizzierte, welche besonderen schichtspezifischen Herausforderungen sich Kindern und Jugendlichen stellten. Dabei nannte er neben den schulischen Veränderungen auch die Einschränkungen in den Freizeitaktivitäten, im Familienleben und die Isolation von Freunden. Das alles führe zu emotionalen Herausforderungen wie Unsicherheit und Zukunftsängsten. Sorgen der Jugendlichen lägen vor allem im Bereich der Gesundheit, Zukunft und den Freizeitmöglichkeiten. Studienergebnisse zum Thema Homeschooling hätten ergeben, dass vor allem jüngeren Schülern die sozialen Kontakte fehlen, während die älteren sich vermehrt Sorgen um die Auswirkungen des Unterrichtsausfalls machten. Abschließend thematisierte Züchner, welche Unterstützungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche hilfreich sein könnten und welche Rolle verschiedene Bildungsinstitutionen dabei zuteilwürden: „Die Pandemie ist eine Belastung und Herausforderung - hat aber auch gewisse Chancen. Beim Homeschooling brauchen wir eine stabile Infrastruktur auf allen Seiten. Die didaktische Qualifikation der Lehrkräfte sowie die Rolle der sozialen Funktion der Schule müssen hervorgehoben werden. Gleichzeitig besteht die Chance herausauszufinden, wie eigenverantwortliches Lernen in Zukunft gestaltet werden kann.“  

In der Mittagspause konnte die Online-Ausstellung mit dem Titel „Kreative Medienarbeit während der Corona-Krise“ besucht werden. Darin wurden Inspirationen aus der digitalen Jugendarbeit präsentiert und innovative Ansätze, wie verschiedene Zielgruppen erreicht und kreative Online-Formate umgesetzt werden können, zusammengetragen.  

Anschließend kam es zu einem regen Austausch in den zehn ausgebuchten Workshops. Die Teilnehmenden bearbeiteten dabei konkrete Szenarien und diskutierten praxisrelevante Themen. Hierbei befassten sie sich mit spannenden Inhalten wie der digitalen Jugendbeteiligung zwischen Corona-Demos und Fake News. Neben theoretischem Input hatten die Teilnehmer*innen dabei die Möglichkeit, an praktischen Beispielen Falschnachrichten selbst zu entlarven und zu bewerteten. Workshopleiterin Pia Bittner betonte, dass Personen, die bereits an Verschwörungstheorien glauben, kaum mehr erreicht werden könnten. „Die Bildungsarbeit muss sich deshalb auf Jugendliche fokussieren, die verunsichert sind. Diese Jugendlichen müssen wir erreichen und für Fake News und Verschwörungsmythen sensibilisieren und ihnen zeigen, welcher Mechanismus dahintersteckt.“  

In anderen Workshops wurde sich mit dem Gestalten eigener Online-Formate, der Digitalisierung in der Jugendhilfe oder kreativen Online-Medienangebote für Jugendliche befasst. Markus Fink stellte außerdem Best-Practice-Beispiele aus der offenen Kinder- und Jugendarbeit vor und zeigte auf, wie digitale Jugendarbeit sich in Zeiten von Corona als Säule im Arbeitsfeld etablierten. Im Workshop zum Thema „Begegnungen schaffen und Beziehungsarbeit online gestalten“ beschäftigten sich die Teilnehmenden zusammen mit Sabine Klein und Kateryna Kudin vom BJR mit Freundschaften und direkter Diskussionen als Teil der internationalen Jugendarbeit und sprachen über Herausforderungen mit wegfallenden Offline-Begegnungen. Der Workshop gab Anregungen, mit welchen Methoden und digitalen Räumen Beziehungsarbeit auch online gelingen könne. Sabine Klein machte im Workshop deutlich, was bei der Beziehungsarbeit online nicht vergessen werden dürfe: „Wer sich zeigt, macht sich verwundbar und das kann auch schief gehen.“ Um das Problem der fehlenden Offline-Kontakte ging es auch im Workshop von Pädagogin Martina Tödtmann. Sie befasste sich gemeinsam mit den Teilnehmenden unter anderem mit folgender Frage: Wie geht man mit der Kontaktsperre in Projekten um, die vom persönlichen Kontakt leben?  

Weitere Workshops befassten sich mit den Themen rechtliche Grundlagen in Zeiten digitaler Jugendarbeit und wie Familien online unterstützt werden können. Im Workshop “Kreative Medienangebote für Kinder” wurde das Projekt „Wie die Bilder laufen lernen“ vorgestellt. Dabei beantwortete Birgit Irrgang von der Medienstelle Augsburg des JFF vorerst die Frage, warum Filmbildung mit Kindern überhaupt notwendig sei: „Filme können zur Identitätsbildung und somit zum individuellen Rollenverständnis beitragen, sind ein Fenster zur Welt und können einen Beitrag leisten zum interkulturellen Lernen und zur Weltoffenheit. Kinder und Jugendliche müssen Kompetenzen erlangen, um Filme kritisch zu reflektieren und zu nutzen.“   

Den Abschluss der Tagung begleitete David Mayonga aka Roger Rekless mit einem Impro-Rap. Für diesen konnten die Zuschauenden der Tagung in einem Flinga-Board ihre Impressionen, Gedanken und Beobachtungen festhalten. Diese Eingaben, beispielsweise “always on” und “barrierearme Zugänge”, verpackte der Sänger gekonnt in einem Rap, der die Tagung zusammenfasste. Dieser ganz besondere Abschluss führte eine ebenso besondere, aber nicht weniger produktive Jahresauftakttagung zu einem schönen Ende und Rekless brachte es zum Schluss noch einmal auf den Punkt: „Ich warte auf tobenden Applaus, aber der kommt aus dieser Kamera nicht wirklich richtig raus.” Doch ganz egal ob online oder offline – Wir freuen uns schon jetzt auf die nächste Jahresauftakttagung!  

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