flimmern & rauschen 2012

Die Preise beim 30. Jugendfilmfest

Die Preise beim 30. Jugendfilmfest „flimmern & rauschen“



Sechs Preise, ein Sonderpreis zum Thema Heimat und ein Publikumspreis wurden beim 30. Jugendfilmfest „flimmern & rauschen“ am 10. Februar in der Muffathalle vergeben. Überreicht wurden sie von der Leiterin des Stadtjugendamts München, Frau Dr. Kurz-Adam und von Prof. Dr. Bernd Schorb, dem Vorsitzenden des JFF – Institut für Medienpädagogik. Die Preise gingen an den Film „MGaMe“ vom Michaeli-Gymnasium München, an „Take off Dublin“ von afk-TV, an „Clash“ von Film-Work-Studios, an „Vis-á-Vis“ von n-ten Film und an „Raumgewinn“ von Nau & Lorenz. Der Sonderpreis Heimat ging an den Film „Willkommen in Deutschland“ von der Hauptschule an der Ichostraße. Der Kinderfilmpreis ging an „Sei stark, mach Quak!“ von der Grundschule am Agilolfinger Platz. Gewinner des Publikumspreises war der Film "Hütchenspiel" von CHIASMA FILM. Außerdem gab es noch drei Besondere Anerkennungen, die an die Filme „Jakababa – the lion himself“ von Salomé Lou Römer, an „Wüstes Land“ von Fabian Prager und an „Wie Jungs ticken“ vom Jugendtreff Akku gingen.

Das Jugendfilmfest wird seit 1982 vom Medienzentrum München des JFF in Kooperation mit dem Stadtjugendamt München veranstaltet und fand dieses Jahr zum 30. Mal statt. 60 Filme liefen im Wettbewerb, die am 09. und 10. Februar von über 1000 Besuchern in der Muffathalle gesehen wurden. Mitglieder der Jury waren Diana Iljine, Leiterin des Filmfests München, der Filmregisseur Matthias Kiefersauer, Verena Weigand von der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM), Kitty von Korff vom Kulturreferat München sowie Mareike Schemmerling vom JFF – Institut für Medienpädagogik. Die jugendlichen Vertreter der Jury waren Marlene Metschkoll und Lara Nelles.

Die Preise und Begründungen der Jury



MGaMe (Michaeli-Gymnasium)
Ein sehr witziger Film, in dem einige Klassiker des Genres Computerspiel liebevoll auf die Schippe genommen und auf ganz eigene Art und Weise umgesetzt werden.
Neben der guten Idee sind vor allem auch die minimale, aber wirkungsvolle Ausstattung, die findige Nutzung der verschiedenen Möglichkeiten des Drehorts Schule und die souveräne Regie von Massenszenen, die selten so in Filmen von Jugendlichen zu sehen sind, hervorzuheben. Mit ganz einfachen Mitteln werden verblüffende und für Liebhaber von Computerspielen sehr lustige Wiedererkennungseffekte erzielt.
Und schließlich kann man sogar eine pädagogische Botschaft in den Film hineinlesen, die ganz ohne Zeigefinger funktioniert: in der Realität spielen und sich bewegen, kann interessanter sein als auf dem Bildschirm.

Vis-á-Vis (n-ten Film)
Unter allen Filmgenres gilt die Komödie als die Meisterklasse. Das Leichte ist besonders schwer zu erarbeiten. Den Macherinnen und Macher des Kurzspielfilms „Vis-á-Vis“ ist es gelungen, einen Erzählton anzuschlagen, der den Zuschauer eine Viertelstunde lang kichern lässt.
Die Geschichte stammt mitten aus der Lebenswelt von Jugendlichen: Ein Schüleraustausch lässt den etwas behäbigen Bauernsohn Korbinian und den versnobbten Pariser Jean-Philippe aufeinanderprallen. Es dauert eine Zeit, bis die beiden Sprachbarrieren und Vorurteile überwinden und sich dem jeweils anderen öffnen. Dabei spielen die Macherinnen und Macher des Films mit Vorurteilen, verraten allerdings nie ihre Figuren. Besonders hervorzuheben ist das unaufgeregte Spiel der beiden Hauptdarsteller sowie das öfters eingesetzte Stilmittel, Szenen ohne Dialog zu erzählen.
Ein großes Vergnügen ist der Film „Vis-á-Vis“. Die Jury bedankt sich für den Spaß, den sie bei der Sichtung hatte – und vergibt einen Preis.

Clash (FILMwork-Studio)
In der U-Bahn treffen sich ihre Blicke und jeder weiß genau wie der andere tickt. Ganz klar, sie ist eine Schlampe, er ein Macho, beide sind sich ihrer Sache sicher und Vorurteile entsprechen der Wahrheit. Aber vielleicht ist ja doch alles ganz anders?
Clash hält dem Zuschauer auf sensible Art und Weise einen Spiegel vors Gesicht. Ohne moralische Keule entführt der Film gekonnt und auf ästhetische Weise in die Gedankenwelt der beiden Charaktere. Er thematisiert dabei verschiedene Vorstellungen davon, wie Mann und Frau zu sein haben, greift Vorurteile zwischen zwei Kulturen und Religionen auf und zeigt uns, wie schnell wir Menschen in Schubladen stecken. Und das alles ohne einen einzigen gesprochenen Satz. Clash, das ist ein Zusammenprall der leisen Art, aber einer der knallt. Dafür Gratulieren wir!

RAUMGEWINN (Nau & Lorenz)
Dieser gut gedrehte Dokumentarfilm gibt dem Zuschauer einen spannenden Einblick in die Trendsportart „Parkour“ im Stadtgebiet von München. Jugendliche und jung gebliebene werden an ihren liebsten Spots bei teilweise atemberaubenden Sprüngen und oft sehr witzigen Bewegungsarten gefilmt. Durch die Interviews dieser sogenannten "Traceurs" erfährt man über die Philosophie, über die Begeisterung und den wahren Lebensinhalt dieser Raumaneignung.
Schönes Intro, gute Schnitte, konzentrierte Bilder, humorvolle Dokumentationen, ein eindeutig überzeugender Film! Auf die Bewegungsfreiheit!

takeoff Dublin (afk-TV)
Eine sehr eindrucksvolle Dokumentation, über einen 4 wöchigen Auslandsaufenthalt einer Gruppe Jugendlicher in Dublin. Mit Medien – Kunst – und Sprachprojekten können arbeitslose Jugendliche so einen neuen Lebensweg finden.
Kathrin und Tobias sind 4 Wochen lang mit dabei und dokumentieren mit Liebe zum Detail die aufregende Zeit der Münchener in Dublin.
Spontan müssen die Beiden zu jeder Zeit sein. So kann es passieren, dass wegen des blauen Auges eines Jugendlichen der Dreh kurzerhand abgebrochen werden muss und kurzfristig ein Interview zur letzten Nacht geführt werden muss. Diese Spontanität macht eine gute Dokumentation aus. Emotional und lebensnah das ist takeoff Dublin. Herzlichen Glückwunsch!

Kinderfilmpreis: Sei stark, mach Quak! (Grundschule am Agilolfinger Platz)
Manche erwarten sich von einem Film, der von und für Kinder bis 10 Jahren gedreht wurde, vielleicht eine Aneinanderreihung von Fotos, hübsch in Musik verpackt oder allenfalls einen Fünf-Minüter mit einer alltäglichen Spielplatzstory. Die Jury konnte sich davon überzeugen, dass das bei keinem der eingereichten Kinderfilme der Fall war. Besonders herausragend war dabei der Kurzfilm „Sei stark mach Quak“ von der Klasse 4c der Grundschule am Agilolfingerplatz.
Die Schülerin Nina wird wegen der begehrten WWF-Sammelkarte 77 erpresst. Sie sucht Rat bei ihren Freunden den Wassergeistern. Als ihre Mitschüler ihre Situation mitbekommen, wollen sie Nina helfen und legen sich mit der Erpresser-Gang an. Es kommt zur Schlägerei. Doch Nina beendet das Handgemenge mithilfe ihrer Geister.
Die Jury überzeugten vor allem die wunderschöne Kostüme der Wassergeister und die tollen Szenenbilder, vor allem die im Wasser. Die Story, die ebenfalls von den Kindern stammt, hat gute Spannungsbögen und überraschende Wendungen. Auch überzeugten die schauspielerischen Leistungen, die hervorzuheben sind.
Wir sagen: Herzlichen Glückwunsch zum Flimmern&Rauschen Kinderfilmpreis 2012!

Sonderpreis Heimat: Willkommen in Deutschland (Hauptschule an der Ichostrasse)
Dieses Jahr lautete das Sonderthema „Heimat“ und gesucht wurden Filme, die sich vor allem mit den eigenen Erfahrungen zu diesem Themenfeld auseinandersetzen. Und so verwundert es nicht, dass der Film „Willkommen in Deutschland“ der Filmgruppe "Ichomedels" hier den Sonderpreis erringen konnte. Beeindruckt hat die Jury vor allem die mehr als anerkennenswerte Absicht der Filmgruppe, ihren neuen Mitschülerinnen und Mitschülern Hilfestellung in ihrer neuen Heimat zu geben. Und das größte Problem für viele ist dabei das Neue, das Fremde, das Unbekannte und dann natürlich in der Folge auch das Heimweh. So geben die kurzen Interviews schlaglichtartig Einblicke in die individuellen heimischen Wurzeln der Kinder und machen es damit für viele Neuankommenden vielleicht etwas leichter, sich bei uns zurechtzufinden und dem Heimweh zu trotzen. „Willkommen in Deutschland“ ist außerdem flott geschnitten, grafisch nett animiert und musikalisch passend verpackt. Kurz gesagt: Ein kleines Stück „konkrete Lebenshilfe“.


Besondere Anerkennung der Jury:


Jakababa – the Lion himself (Salomé Lour Römer & Markéta Lancova)
Unverblümt offen erzählt Jakababa von seiner Vergangenheit und Gegenwart, seinen Ängsten und Träumen. Mit der Dokumentation über diesen jungen Mann aus dem Slum von Mathare nehmt ihr uns mit auf eine Reise nach Kenia und in ein fremdes Leben. Die ruhigen, fast friedlichen Bilder, die vor allem die Hauptfigur zeigen, stehen in einem extremen Kontrast zu dem, was er berichtet.
Jakababa bezeichnet sich selbst als Löwen, der sich niemals unterkriegen lassen will. Sein einziger Wunsch ist es mit dem Leben zurecht zu kommen und seinen Frieden zu finden.
Dieser Film bringt zum Nachdenken, zwingt uns über den Tellerrand zu sehen und fesselt von der ersten bis zur letzten Sekunde. Davor ziehen wir den Hut.

Wüstes Land (Fabian Prager)
Der Film beschäftigt sich mit dem Thema Umweltschutz mal aus einer ganz anderen
Perspektive. Was wäre wenn FCKW niemals abgeschafft worden wären? Was wäre wenn die Erde langsam verbrennen würde und Wasser zum wichtigsten Gut werden würde? Wenn Menschen töten würden um zu überleben? Ein Film der durch die drastische Inszenierung zum Denken anregt und durch ein gutes Szenenbild besticht.
Der Filmemacher Fabian Prager drehte 2010 diesen Kurzfilm als Abschlussprojekt seiner Ausbildung zum Mediengestalter in Bild und Ton. Hervorzuheben ist, dass er neben Wüstes Land noch zwei andere richtig gute Filme in den letzten zwei Jahren produziert und eingereicht hat. „Stellenweise Leben“ und „Schmutzige Wäsche“ wurden als Bewerbungsfilme für die Filmakademie Ludwigsburg und die HFF München gedreht. Alle drei Filme sind so unterschiedlich gemacht und beschäftigen sich mit solchen unterschiedlichen Themen, dass man vor dieser Leistung nur den Hut ziehen kann.
Lieber Fabian, die Jury wünscht dir weiterhin alles Gute auf deinem Weg zum Profi-Regisseur und wir sind uns sicher: Du schaffst das! Herzlichen Glückwunsch!

Wie Jungs ticken (Jugendtreff Akku)
Wahrscheinlich haben sich schon viele Eltern, Pädagoginnen und Pädagogen des öfteren gefragt, „wie ticken eigentlich Jungens?“ Auf eine bemerkenswert lässig ironische Art gibt die gleichnamige Kurzdokumentation des Jugendtreffs Akku Auskunft über diese elementare Frage und macht dabei deutlich, wie unterschiedlich Jungens ihr eigenes Rollenverständnis und Verhalten interpretieren. Vielleicht wagen sich die Jungens im Jugendtreff Akku, mit dieser „besonderen Anerkennung der Jury“ im Rücken, an ein größeres, längeres Filmprojekt. Auf alle Fälle sollten sie unbedingt dabei wieder ihre bestens erprobte Selbstironie und gekonnte Lässigkeit einsetzen. Weiter so: Buben!

Adresse

Medienzentrum München (MZM) des JFF
Günther Anfang
Telefon: +49 89 12 66 53 13

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