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aus dem Heft: 2002/04 Titelthema: Medienpädagogik heute - Eine Diskussionsrunde
in der Rubrik: medienreport

Sophie Anfang: Navigium 6.5 - Computer-Training Latein

Mit Lernprogrammen ist das immer so eine Sache. Entweder sie haben einen so hohen Spaßfaktor, dass man mit ihnen fast gar nichts lernt, oder sie arbeiten nach dem Belohnungsprinzip, bei dem man nach dem Meistern einer Aufgabe gezwungen wird, langweilige Spiele zu spielen. Man kann also wählen zwischen einem guten Computerspiel ohne Lernwert und einem Programm mit aussichtslosen Motivationsversuchen.
Mein Problem war nun aber folgendes: die nächste Lateinschulaufgabe stand kurz bevor und ich hatte merkliche Wortschatzlücken. Als letzte Hoffnung sah ich ein Lateinlernprogramm. Das auserwählte Programm gehört aber weder zur ersten, noch zur zweiten Gruppe der Lern-CD-Roms, sondern zur unangenehmsten Kategorie: dem klassischen Paukprogramm.
"Navigium" heißt das Programm, welches mich aus der Lateinnot befreien sollte. Mit ihm kann ich Wörter lernen, Stammformen trainieren und interaktiv Formen bestimmen. Für den großen Lateincrack gibt es sogar etwas zu Caesars "Bellum Gallicum". Jedoch habe ich mir diese Funktion nie angesehen, denn ich beschäftige mich nur solange mit Latein, wie es nötig ist.
Auf jeden Fall begann ich, meine Lernwörter ins Programm einzutippen und sie anschließend zu lernen. Da dieses Programm Lehrbuch unabhängig ist, kann ich mir meine Wörterlektionen selbst anlegen und so oft ich will wieder verändern. Beim Wörterlernen selbst werden die Wörter bei der schriftlichen Abfrage durcheinander abgefragt. Nicht gekonnte Vokabeln werden solange abgefragt, bis man sie richtig eintippt. Falsche Antworten wirken sich schlecht auf die Gesamtnote aus. Nach ein, zwei Mal lernen machte ich eine wundersame Entdeckung: Es macht Spaß! Wirklich, bei diesem Programm stellten sich bei mir plötzlich Erfolgserlebnisse ein, die mich dazu veranlassten, wie wild Wörter zu lernen und Formen zu bestimmen. Das war auch leider das Einzige, was ich vor meiner Lateinschulaufgabe machte. Denn das Resultat meiner Schulaufgabe war eine schlechte 4 statt der sonst üblichen 3-! Natürlich wurde alles auf das Programm geschoben, und ich musste fortan ohne dass Programm lernen.
Aber als die nächste Schulaufgabe anstand, waren meine Lücken wieder da und in meiner Verzweiflung, die 4 wieder auszugleichen, griff ich erneut zu "Navigium". Doch diesmal lernte ich anders. Statt immer nur am Computer eine Wörterlektion zu lernen, erstellte ich mir auch Lektionen mit älteren Wörtern und wiederholte sie. Außerdem kaufte ich mir ein Übungsbuch, in dem ich alle Übersetzungen und Übungen bearbeitete. Nach einer Woche intensiven Lernens mit und ohne Computer schrieb ich meine Schulaufgabe. Aber anstatt der erhofften 3 bekam ich sogar eine 2-! Meine Lernerei hatte sich also gelohnt.
Seit dem lerne ich meine Wörter immer noch mit "Navigium", aber alles andere lerne ich ohne den Computer. Denn obwohl ich "Navigium" sehr empfehlen kann, reicht es nicht aus, um mit ihm allein Latein zu lernen.

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    Autor/innen: Sophie Anfang
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