09.09.2014 – Praxis, Aktive Medienarbeit, Partizipation

Giesing Beatz

Bei Giesing Beatz haben Jugendliche aus Stadtteilgeräuschen einen Beat gebaut und dazu gerappt und gesungen.

Zusammenfassende Projektbeschreibung

 

Gibt das vielstimmige Jubelgebrüll der Fans im benachbarten 60er Stadion nicht einen guten Bass ab? Erinnert der Ton der Türklingel des Bäckers nicht an irgendwas?

Der Auer Mühlbach, die Isar – Giesing hat viel Gewässer…wie hört sich eigentlich Wasser an?? Und was bedeutet mein Stadtviertel eigentlich für mich?

 

Beim Projekt Giesing Beatz haben Jugendliche ihre unmittelbare Umgebung mit neuen Augen/Ohren erkundet und aus den aufgenommenen Geräuschen haben sie einen Hip Hop Beat gebastelt, auf den sie über ihr Stadtviertel Giesing rappen und singen.

 

Das Projekt wurde im Rahmen von "Freiraum Stadt"  vom JFF - Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis mit Unterstützung der Rapperin Ebow und ihrem Produzenten Nik leClap durchgeführt und ist eine Weiterentwicklung der "Local Beatz" Projektreihe, die in der Freizeitstätte KistE (Katholisches Jugend Sozialwerk München e.V.) entwickelt wurde.  Beteiligt waren die Besucherinnen und Besucher der beiden Kinder- und Jugendeinrichtungen AKKU und Fezi.

 

 Die Ziele des Projekts war es

1. den beteiligten Jugendlichen auf spielerische und intuitive Weise den Umgang mit mobilen Kommunikationsgeräten und mit selbstproduzierten Sounds, Fotos und Videos näher zu bringen.

2. dass sie sich aktiv und kreativ mit ihrer unmittelbaren Lebenswelt auseinandersetzen und diese reflektieren.

 

Konkret ist also Mitte Juli an vier Nachmittagen unter fachlicher Anleitung und unter Zuhilfenahme von Tablets, sowie einfacher, intuitiver Musik Hard- und Software der eigene Stadtteil ‚vertont‘ worden, sprich einzelne für den Stadtteil spezifische Sounds zu Beats und Geräuschkollagen verarbeitet worden. Zu diesen musikalischen Grundgerüsten wurden in Form einer Textwerkstatt Lyrics verfasst, die sich auch mit dem Leben im Stadtteil befassen. Diese Lyrics wurden zum Abschluss auf die aus den Umgebungssounds gewonnen Loops und Beats gerappt und gesungen, somit ergibt sich ein fertiger Song, ein Sound aus dem Stadtteil und für den Stadtteil.

 

Entstanden ist ein berührender Song, der das tolerante Miteinander im Viertel beschreibt:

 

„Wir sind groß, wir sind klein,

sind zusammen, allein,

wir sind eckig und rund,

dunkel und hell, langsam und schnell,

ganz egal wie es scheint:

HIER IST ALLES VEREINT

DAS IST GIESING

Wir sind jung, wir sind alt,

Wir sind warm, wir sind kalt,

blond und brünett,

mies oder nett

HIER IST ALLES VEREINT!"

 

 

Informationen zu Kooperationspartnern

Das Projekt wurde vom JFF - Institut für Medienpädagogik und Praxis und dem Jugendtreff „AKKU – Aktion Kommunikation Kultur Untergiesing“ im AKKU und „FEZI -Kinder und Jugendtreff am Wettersteinplatz“ (beides Städtische Einrichtungen in Trägerschaft des Kreisjugendring München Stadt) durchgeführt und vom Jugendkulturwerk des Stadtjugendamtes München und dem Kulturreferat München gefördert.

Die Projektdokumentation wurde ermöglicht durch die Unterstützung der Stiftung Otto Eckart.

Das Projekt ist eine Weiterentwicklung der "Local Beatz" Projektreihe, die in der Freizeitstätte KistE (Katholisches Jugend Sozialwerk München e.V.) unter Mitarbeit von Tobi Helmlinger und Ulrich Tausend entwickelt und von den Kooperationsprojekten des Stadtjugendamts Münchens und der AG Interaktiv unterstützt wurde.

 

 

TeilnehmerInnen

 

Am Projekt teilgenommen haben 21 Jugendliche (5 Mädchen, 16 Jungs, Alter: 11 bis 23, Migrationshintergrund 70%)

 

 

Produkte und Veröffentlichungen

  • Ein Teil des entstandenen Liedes wurde im Internet veröffentlicht: http://youtu.be/C1nAGAIM_dQ
    Weitere Liedteile wurden den Jugendlichen direkt zur Verfügung gestellt.
  • In der Videodokumentation des Projektes beschreiben die Teilnehmer und Teilnehmerinnen das Projekt und wie es Ihren Blick auf das Viertel verändert hat. http://youtu.be/Lte1bNE14po
  • Bei dem Projekt ist eine Sound Library mit Stadtviertel-Geräuschen entstanden, die von den Jugendlichen weiter ergänzt wird und für weitere Lieder genutzt werden kann.

 

 

Besonderheiten bei der Arbeit mit Medien

  • Bei dem Projekt wurde auf einen möglichst offenen niedrigschwelligen Zugang geachtet. Teilnehmer konnten am ganzen Projekt, oder nur an Projektteilen teilnehmen.
  • Dabei wurde darauf geachtet, dass die Jugendlichen möglichst ihre eigenen Geräte (Smartphones) einsetzen (Stichwort: „Bring Your Own Device“) und sich je Interesse und Kenntnisstand in das Projekt einbringen können. Bei der Aufnahme der Stadtteilgeräusche sowie Entwicklung der Beatideen mittels der intuitiv zu bedienenden App iMaschine wurden die Smartphones der Jugendlichen sowie das iPad der Einreichtung genutzt. So können die Jugendliche die entstandenen Soundcollagen weiter nutzen sowie neue Töne aufnehmen.
  • Zur weiteren Bearbeitung der Beatz wurde der „große Bruder“ der App, der Softwarecontroller „MASCHINE“ der Firma Native Instruments eingesetzt. Dieses Gerät verfügt dank seiner sehr intuitiven Benutzerführung und der einfachen Handhabung mit quadratischen pads als Spielflächen eine sehr flache Lernkurve, was gerade Anfängern den Einstieg in das doch als recht komplex rezipierte Gebiet „Musik machen“ erheblich erleichtert. So sind die letztendlich im Song benutzen Beats wirklich Produkt von Teilnehmern, was eine weitere Identifikation mit dem Projekt noch verstärkt.
  • Die Aufnahmen der Vocals erfolgte durch die Jugendlichen mit dem Programm Logic Pro. Bei der Finalisierung und dem Mixdown sowie auch bei den Aufnahmen der Vocals waren die Jugendlichen auf eine mit Fachkenntnissen ausgestattete Person angewiesen. Die Arbeit mit den Geräten können die Jugendlichen aber bei regelmäßige Workshops zum Thema Audio und Recording im Akku fortsetzen, so dass interessierte Kids ähnliche Projekte in naher Zukunft auch selbstständig umsetzen können.
  • Es hat sich auch gezeigt, dass die Idee, mit anderen „Ohren“ durch das eigene Viertel zu ziehen, auf der Suche nach verwertbaren Sounds, eine neues und ganz anderes Erleben sowie Auseinandersetzung mit der eigenen unmittelbaren Umgebung zur Folge hatte.

 

Was ist noch zum Projekt zu sagen

 

Das Giesing Beatz-Projekt wird durch die Projektpartner als klarer Erfolg gewertet, da es dank seiner offenen Struktur auch für bisher mit dem Thema „Musik machen“ völlig unbewanderte Jugendliche einen tollen Einstieg in das Thema ermöglichte und gleichzeitig musikalisch vorgebildete Jugendliche ihre Kenntnisse einbringen konnten. Dazu kommt noch die durch den klaren lokalen Ansatz positiven Auswirkungen auf Auseinandersetzung, Reflexion und Identifikation mit der eigenen Lebenswelt.

 

 

Weitere Links zum Projekt:

Steckbrief

Projekt(e)

Local Beatz

Ihre Ansprechperson

Ulrich Tausend

Arnulfstraße 205

ulrich.tausend(at)jff.de

Tel.+49 89 68 98 91 62

80635 München

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