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09.03.2010

60 Jahre JFF

60 Jahre medienpädagogische Forschung und Praxis


Medienbegeisterung der heranwachsenden Generation als Ausgangspunkt
"Wenn sich die jetzige Lage bessern soll, dann müssen wir zusammenhelfen, dass unsere Kinder und Jugendlichen nicht wahllos in alle Filme, vielleicht sogar bevorzugt in die schlechteren und schlechtesten gehen. Als erstes gilt es, dahin zu wirken, dass unsere Buben und Mädchen ... von den angebotenen Filmen wenigstens die besseren kennen lernen".

Dieser Appell von Martin Keilhacker verweist auf die vorrangige Zielsetzung, die die Gründung des "Arbeitskreis Jugend und Film e. V." im Dezember 1949 leitete. Die Kinobegeisterung der Nachkriegsgeneration erregte Besorgnis: Verrohung, Sittenverfall, Konzentrationsschwäche – eine ganze Palette schädlicher Einflüsse des Kinos und kurze Zeit später des Fernsehens wurde beschworen und der Schutzgedanke dominierte die Medienpädagogik, die damals noch nicht so hieß. Dabei ging es in den 50er und 60er Jahren im Vergleich zur aktuellen Medienentwicklung recht geruhsam zu. Später zog das Tempo merklich an: Kabel- und Satellitenfernsehen, Video und Computer, immer mehr Medien boten Unterhaltung, Information und dienten sich den Menschen als Orientierungsinstanzen an. Die Medientechnik eröffnete auch Laien immer einfachere Möglichkeiten, selbst mediale Inhalte zu produzieren. Die heranwachsende Generation war zu allen Zeiten gegenüber den Neuerungen des Medienmarktes besonders aufgeschlossen und so weiteten sich die Arbeitsfelder kontinuierlich aus. Heute geht es dem JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis, das aus dem Arbeitskreis Jugend und Film hervorgegangen ist, darum, wie Kinder und Jugendliche mit der Fülle massenmedialer Angebote und den vielfältigen Formen der Individualkommunikation umgehen, wie sie sich in der konvergenten Medienwelt bewegen, wie sie sich das "Mitmach-Internet" aneignen und wie sie das Spektrum medialer Artikulationsmöglichkeiten ausschöpfen.

Orientierung an der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen

In den 70er Jahren vollzog sich ein Wandel in den Sozialwissenschaften und der Pädagogik und auch im Konzept des JFF. Von nun an bestimmte ein anderes Menschenbild die Ausrichtung von medienpädagogischer Forschung und Praxis am JFF: der Mensch, der Medien von Kindheit an aktiv in Gebrauch nimmt und sie in seine Lebensvollzüge integriert. Forschung am JFF zielt nunmehr auf das Verstehen des Medienhandelns von Kindern und Jugendlichen und darauf, neue Bedeutungen zu entdecken. Die JFF-Praxis fußt auf dem Konzept der aktiven Medienarbeit und will Kindern und Jugendlichen Medien als Mittel der Artikulation verfügbar machen. Forschung und Praxis unter einem
Dach zu verzahnen, diese Absicht bestand bereits bei der Gründung und markiert bis heute eine der Stärken des JFF. Die Verzahnung garantiert einerseits Lebensweltnähe und Praxisrelevanz der Forschung durch kontinuierliche Impulse aus der pädagogischen Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und ihren Bezugsgruppen. Die Forschungsergebnisse ihrerseits fundieren die pädagogischen Modelle für die Erziehungs-, Bildungs- und Kulturarbeit.

Kontinuität und Aktualität: Die Arbeit des JFF
"Man muss mit Computer und Internet umgehen können, sonst ist man dumm."

Diese Aussage eines 15-jährigen Hauptschülers sagt einiges darüber aus, wie Jugendliche heutzutage die Medienwelt wahrnehmen. Medien waren und sind auf vielfältige Weise im Leben der Menschen verankert. Aktuell treibt vor allem die Digitalisierung die Veralltäglichung der Medien voran. Weder das gesellschaftliche noch das Leben des Einzelnen ist heute ohne Rekurs auf Medien denkbar, ihre Angebote und das Handeln mit ihnen bestimmen und gestalten das Leben mit. Mehr denn je gilt es deshalb die Bedeutung der Medien für die Menschen und speziell für die heranwachsende Generation in den Blick zu nehmen und zu eruieren, wer die vielfältigen Potenziale nutzbringend ausschöpft und wem die Medienwelt mit ihren zahlreichen Zumutungen Probleme macht. Die pädagogische Aufgabe lautet heute: die heranwachsende Generation für ein souveränes Leben mit Medien stark machen. Dazu gehört die Förderung von Fähigkeiten ebenso wie die Intervention bei problematischem Medienhandeln und das Eintreten für eine Medienwelt, die nicht nur sozial verträglich, sondern einem humanen
Miteinander zuträglich ist. Das JFF beschäftigt sich aktuell unter anderem mit folgenden Aspekten im Mediengebrauch
von Heranwachsenden:

  • Die aktive Auseinandersetzung mit der Lebenswelt in Form eigener Film- und Videoproduktionen, die eine lange Tradition am JFF hat, wird beispielsweise über das Förderprogramm In eigener Regie und die Jugendfilmfestivals JuFinale und KiFinale sowie den Handyclip-Wettbewerb Ohrenblick verwirklicht.

  • Das Fernseherleben von Kindern aus ihrer Perspektive aufzuarbeiten ist seit über einem Jahrzehnt der grundlegende Ansatz des FLIMMO – fernsehen mit Kinderaugen. Was drei- bis 13-Jährige am Fernsehen wertschätzen und was sie irritiert dient als Grundlage für die Thematisierung der Medienerziehungsfragen von Eltern und anderen Erziehenden.

  • In einer vernetzten Medienwelt, zu der Community-Angebote ebenso gehören wie Fernsehen und Kino, stellen sich die Fragen nach sozialer Verortung und Teilhabe neu. Die Konvergenz-Studien des JFF und vielfältige Modellprojekte, z. B. die Web 2.0-Werkstätten, die speziell bildungsbenachteiligten Jugendlichen die Möglichkeiten des Mitmach-Internet eröffnen, greifen dieses Thema auf.

  • Der Mediengebrauch im Kontext sozialer Ungleichheit markiert einen weiteren Schwerpunkt: Eine umfassende Studie zum Medienhandeln in Hauptschulmilieus sowie ein Modellprojekt, das unter dem Titel erzählkultur Kindern, vor allem solchen mit Migrationshintergrund, über das aktive Arbeiten mit Medien die Lust am Erzählen, also am sprachlichen Ausdruck vermittelt, sind Beispiele dafür.

  • Aktuell ist der Schutz der Persönlichkeitsrechte im digitalen Zeitalter Gegenstand der Arbeit von Forschung und Praxis: So widmet auch die am JFF angesiedelte medienpädagogische Zeitschrift merz | medien + erziehung die Ausgabe 04/2009 der Diskussion um informationelle Selbstbestimmung.

Das JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis wird vom gemeinnützigen Verein Jugend Film Fernsehen e. V. getragen. Die Mitglieder sind Fachleute aus Medienwissenschaft und -pädagogik, aus Erziehung, Bildung und Kultur. Sie kommen aus dem gesamten Bundesgebiet und dem benachbarten Ausland. Vorsitzender des Vereins und Vorstand des Instituts ist Prof. Dr. Bernd Schorb. Die Institutsleitung liegt in den Händen von Prof. Dr. Helga Theunert. Die Finanzierung erfolgt über öffentliche Zuschüsse und Projektmittel.
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STECKBRIEF

Das JFF - Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis wurde 1949 gegründet und befasst sich seither in Forschung und pädagogischer Praxis mit dem Medienumgang der heranwachsenden Generation.