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30.10.2007

Jugendmedienschutz: kritischer Blick der Betroffenen

Grundsätzliche Akzeptanz und folgerichtiges Handeln von Eltern, Jugendlichen und pädagogischen Fachkräften im Bereich Jugendmedienschutz klaffen auseinander, Teilstudie des JFF zur Evaluation des Jugendmedienschutzes steht zum Download bereit

Insbesondere in den Bereichen Computerspiel, Handy und Internet – also genau dort, wo sich der Mediengebrauch von Kindern und Jugendlichen von demjenigen Erwachsener entfernt – mangelt es vielen Eltern an Einblick in das Medienhandeln ihrer Kinder und konkreten Kenntnissen zu Regelungen und Risiken. Selbst dort, wo Signale des Jugendmedienschutzes etabliert und bekannt sind, wird deren Funktion nicht immer verstanden. Zum Teil kommt es zu gravierenden Missverständnissen.
Die soeben veröffentlichte Teilstudie des JFF – Institut für Medienpädagogik kommt zu dem Schluss, dass für den effektiven Schutz von Kindern und Jugendlichen vor ungeeigneten oder gefährdenden Medienangeboten gesetzliche Regelungen allein nicht ausreichen. Im Medienalltag ist das System des Jugendmedienschutzes auf das rationale Begreifen und das verständige Handeln aller Beteiligten angewiesen. Die Studie ergab hier einen erheblichen Optimierungsbedarf. Denn für Jugendliche ist es nicht schwierig, an ungeeignete Inhalte zu gelangen: Erwachsene, Geschwister oder Freunde ermöglichen zu oft den entsprechenden Zugriff. Dabei spielt auch die vermehrte Peer-to-Peer-Verbreitung von selbst produzierten Inhalten, z.B. über das Handy, eine Rolle.
Eltern, Jugendliche und pädagogische Fachkräfte beklagen außerdem, dass die Kriterien von Altersfreigaben nicht transparent und kaum nachvollziehbar sind. Das Vertrauen in den Jugendmedienschutz wird dadurch erheblich geschwächt. Die konvergente Medienwelt erhöht darüber hinaus die Unübersichtlichkeit der Regelungen. Verwirrung entsteht z. B. dann, wenn unterschiedlich bewertete Versionen des gleichen Titels in verschiedenen Medien auftauchen.
Die Studie des JFF regt konkrete Optimierungsmaßnahmen des Jugendmedienschutzsystems an, die dem veränderten Medienhandeln von Kindern und Jugendlichen sowie den Schwierigkeiten von Eltern, dies im Blick zu behalten, Rechnung tragen.
Bei der Studie handelt es sich um ein eigenständiges Teilprojekt einer Analyse des Jugendmedienschutzsystems. Die Gesamtanalyse, für die das Hans-Bredow-Institut verantwortlich zeichnet, soll eine wissenschaftliche Grundlage für die Evaluierung der Jugendmedienschutzgesetzgebung bieten und wurde vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) in Abstimmung mit den Ländern in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse wurden am 30. Oktober im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Medienwissenschaftliche Kolloquien" in Hamburg der Öffentlichkeit vorgestellt.

FSK-Kennzeichen

Alterskennzeichen der FSK

STECKBRIEF

Die Studie ist ein eigenständiges Teilprojekt einer Analyse des Jugendmedienschutzsystems. Für die Gesamtanalyse, die der Gesetzesevaluation dient, zeichnet das Hans-Bredow-Institut verantwortlich.