Konzeption

Konzeption
Dem Projekt erzählkultur lagen folgende Überlegungen und Pläne zugrunde:

"Sprache ist der Schlüssel zu Integration und Bildung. Nur wenn Kinder verstehen, was in Kita, Schule oder Hort gesprochen wird und sich darüber hinaus anderen Menschen gegenüber verständlich machen können, sind sie auch in der Lage sich in soziale Prozesse einzubringen und von Lernprozessen zu profitieren. Und nur dann können sie auch soziale Beziehungen knüpfen und aufbauen sowie andere Kulturen kennen lernen. Ein weiterer Schlüssel zur Teilhabe an unserer Gesellschaft ist der kompetente Umgang der Kinder mit Medien. Wir leben in einer Mediengesellschaft, in der Medien eine zentrale Rolle in unserem Alltag spielen. In diese Medienwelt wachsen die Kinder von Beginn an hinein. Es gilt, sinnvolle Konzepte im Umgang mit Medien zu entwickeln, welche Kinder befähigen, selbstbestimmt, kritisch und kreativ mit Medien umzugehen und sie für ihre individuellen Anliegen und Interessen zu nutzen.
Diese zwei Bildungssituationen des Sprach- und des Medienkompetenzerwerbs miteinander zu verbinden, hat sich das Projekt erzählkultur zur Aufgabe gemacht. Der leichte Zugang von Kindern zu Medien und deren Aufforderungscharakter sind eine gute Ausgangssituation, um Bildungsprozesse im Bereich Sprache und im Bereich Medien zu initiieren und weiterzuentwickeln.
Im Projekt erzählkultur werden durch aktive Medienarbeit Kommunikations- und Sprechanlässe für Kinder im Alter von 4 bis 10 Jahren – insbesondere Kinder mit Migrationshintergrund – geschaffen. Damit werden die Kinder besonders im Hinblick auf ihre Sprach-, Medien- und soziale Kompetenz gefördert.

Der Fokus liegt auf folgenden Fragestellungen:

  • Was kann die aktive Medienarbeit im Bereich der Sprachkompetenzförderung leisten?
  • Wie können durch aktive Medienarbeit gezielt das Erzählen und die Auseinandersetzung mit kulturellen Fragestellungen gefördert werden?
  • Welche Anknüpfungspunkte gibt es zu bereits bestehenden Modellen der Sprachkompetenzförderung? 

Die Kinder sollen Medien als kreatives Werkzeug entdecken, um ihre Meinung auszudrücken und sie als Sprachrohr für ihre Interessen zu nutzen. Dieser Prozess, der sie von der rein konsumierenden Rolle in eine mit Medien aktive Rolle versetzt, wird mit einem Medienprodukt abgeschlossen, auf das die Kinder stolz sein können. Dabei werden die Sprechfreude und das Interesse an Sprache geweckt, ohne Sprache zu didaktisieren. Statt dessen soll Sprache von den Kindern als kreativ-schöpferischer Akt erlebt werden. Die entstehenden Sprachanlässe schaffen eine Grundlage, vorhandene Sprachpotenziale zu festigen und gegebenenfalls zu korrigieren und weiterzuentwickeln.

Ziel ist es die Medienkompetenz der Kinder im Hinblick auf:

  • die kreative Ausdrucksfähigkeit mit Medien,
  • das eigenständige Gestalten von Medien,
  • das Äußern eigener Interessen und Anliegen durch Medien,
  • eine kritische Auseinandersetzung mit Medien sowie
  • das technische Wissen über Medien zu fördern.

Ziel ist es weiterhin die Sprachkompetenz der Kinder im Hinblick auf:

  • das Zuhören und Sprachverstehen,
  • den Sprachgebrauch und die Differenzierung der Sprachfähigkeit,
  • die hörend-reflektierende Auseinandersetzung mit Sprache,
  • die Sprech- und Kommunikationsfreude sowie
  • die aktive Nutzung von Medien als Kommunikationsmittel zu fördern.

Zur Verwirklichung dieser Hauptziele werden im Zeitraum Januar 2007 bis Juli 2008 15 Modellprojekte an Kindergärten, Schulen, Horten und außerschulischen Institutionen verteilt auf die Großräume München und Nürnberg durchgeführt. Die ErzieherInnen der jeweiligen Einrichtungen erhalten die Möglichkeit zu Fortbildungen im medienpädagogischen Bereich. Jeweils ein Pädagoge/eine Pädagogin der entsprechenden Einrichtung nimmt über den gesamten Projektzeitraum hin am Modellprojekt teil und lernt somit den Umgang mit den eingesetzten Medien. Die Eltern der teilnehmenden Kinder werden an Informationsabenden über den Medienumgang ihrer Kinder informiert und mit medienpädagogischen Zielen und Methoden vertraut gemacht. Außerdem erhalten sie über die entstehenden Medienprodukte einen Einblick in das Sprachpotenzial ihrer Kinder."

Die Projekte konnten z.B. nach folgendem Schema ablaufen:

Projektvorbereitung (bei jedem einzelnen Modellprojekt):

Tag 1    
2 Stunden Feinkonzeption Planung des Ablaufs in der Einrichtung mit den ErzieherInnen
Tag 2    
4 Stunden Technikeinführung ErzieherInnen erhalten medientechnische und medienpädagogische Basiskenntnisse

Projektdurchführung (beispielhaft für jedes einzelne Modellprojekt):

Tag 1    
3 Stunden Begrüßung Kennenlernen, Überblick über das Projekt, Gespräch über Medienerfahrungen
  Impuls Ein beispielhaftes Medienprojekt oder ein den Kindern bekanntes Medienangebot wird präsentiert
  Themenfindung Diskussion möglicher Themen aufgrund der medialen Impulse
  Ausarbeitung Die Idee/Geschichte wird gemeinsam skizziert
Tag 2    
3 Stunden Erste Schritte mit den Medien Wie funktioniert ein Fotoapparat, ein Kassettenrecorder etc.; Experimentieren mit den Medien
  Planung des Produkts Wie soll unser Medienprojekt aussehen?
Was brauchen wir?
Wer kann was besonders gut (Malen, Schreiben, Fotografieren, Fragen stellen)?
Tag 3    
3 Stunden Umsetzung Fotografieren, Aufnehmen etc.
  Sichtung Was haben wir bisher?
Was brauchen wir noch?
Tag 4    
3 Stunden Umsetzung Fotografieren, Aufnehmen etc.
    Zusammenstellung der Materialien zum Endprodukt
Tag 5    
3 Stunden Fertigstellung Korrekturen am Endprodukt
  Kleinpräsentation Präsentation des Produkts in der Gurppe
  Abschlussrunde Diskussion des Projekts und des Medienprodukts
Tag 6    
1 Stunde Abschlusspräsentation Zur Abschlusspräsentation wird die gesamte Einrichtung, sowie Eltern und Freunde eingeladen.

Parallel zu jedem Modellprojekt lief die Evaluation. Nach jedem Modellprojekt wurden die Ergebnisse für das Internet aufbereitet, sodass nun viele Produktionen hier zu sehen, zu hören oder herunterzuladen sind. Außerdem können auch Rückmeldungen aus den Koopertationseinrichtungen nachgelaesen werden. Alle ErzieherInnen präsentierten ihre Ergebnisse dann nochmals auf dem abschließenden Fachforum im Herbst 2008.

erzhlkultur ist ein Projekt des JFF - Institut fr Medienpdagogik in Forschung und Praxis und des Medienzentrums Parabol und wird von Aktion Mensch finanziert.